Klimaschutz und Naturschutz widersprechen sich – Alles Lüge?

Heilsversprechen sind ein zentrales Element Moderner Mythen, erst das Heilsversprechen macht einen Mythos populär und einsetzbar. Ist es bei religiös-spirituellen Gedankengebäuden ein eher esoterischer Ansatz, der auf die tröstende Wirkung einer unsterblichen Seele und/oder den Eingang in ein Paradies mit ewiger Glückseligkeit bei entsprechend durch die Religion tolerierten Verhaltensweisen abzielt, so sind Moderne Mythen natürlicherweise auch „moderner“, will sagen „konkreter“, in ihrem Weltverbesserungsansatz. Rauchverbote, Asbestsanierung und der Verzicht auf gegrillte oder geröstete Speisen erscheinen so als die ultimative Waffe im Kampf gegen Krebs, ein Verbot bestimmter multimedialer Inhalte verspricht in erster Näherung eine zukünftige Abwesenheit von Amokläufern und darüber hinaus eine allgemein weniger gewalttätige Gesellschaft. Umweltmythen versprechen in erster Näherung glückliche Kühe und im globalen Maßstab gar die Rettung der Welt vor einer Vielzahl imaginärer Bedrohungen. In jedem Fall wird natürlich an gewisse Urängste der Menschen appelliert, und auch hier ist das Spektrum breit gefächert. Es reicht von der Angst, auf der Straße überfallen zu werden, über die Angst vor Krankheit und langem Siechtum bis hin zur Angst vor Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen und Überschwemmungen.

Dieser Mechanismus sichert die Überlebensfähigkeit Moderner Mythen auch gegen Vernunft und wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs. Das Waldsterben macht dies exemplarisch deutlich. Ist das Bild von saftigen, sattgrünen, sich sanften Hängen emporschwingenden Wäldern in uns verankert als archetypischer Ausdruck für Gesundheit, Kraft und Wohlgefühl, so ist das Gegenteil, eine karge, baumlose Ödnis ein sehr ursprüngliches Schreckensszenario. Und dieser Spannungsbogen wird ausgenutzt, immer noch werden regelmäßig Millionenbeträge aus Steuermitteln verschwendet und einige Beamte und Wissenschaftler beschäftigt, um den Waldschadensbericht zu erstellen, mit schöner Regelmäßigkeit festzustellen, daß etwa 30% des Waldes erkrankt sind (dramatisch), mit schöner Regelmäßigkeit vor dem Untergang deutschen, raumgreifenden Großgrüns zu warnen (die Apokalypse). In Wahrheit gibt es kein Waldsterben, hat es nie eines gegeben und geht es dem Wald heute nicht schlechter (aber besser) als vor 50 oder 100 Jahren.

Die Gefahr in solchen Mechanismen ist, daß die aus ihnen abgeleiteten Maßnahmen, die ja völlig anderen Partikularinteressen dienen, am Ende die Risiken nicht minimieren, sondern verstärken.

So wenig, wie die Religion ihre Aufgabe darin sieht, die Angst vor Tod und Krankheit durch die Bekämpfung der Ursache (man berücksichtige bspw. die Ablehnung der Stammzellforschung oder auch der Fortpflanzungsmedizin durch die meisten christlichen Kirchen) zu mindern, so wenig dienen Gesundheitsmythen der Gesundheit (sondern der Kontrolle), Kommunikationsmythen der Freiheit (sondern der Kontrolle) und Umweltmythen der Umwelt (sondern der Kontrolle).

Insbesondere haben Klimaschutz und Naturschutz nichts miteinander gemein. Im Gegenteil, sie widersprechen sich sogar in wesentlichen Punkten.

Der Klimaschutz in der aktuellen Debatte basiert auf einem kaum bemerkten Paradigmenwechsel. Eigentlich ist „Klima“ ein lokales, ortsabhängiges Konzept. Es ist definiert über die an einem Ort über einen längeren Zeitraum festgestellten Mittelwerte meteorologischer Daten wie Temperatur, Luftfeuchte oder auch Niederschlagsmenge. Änderungen derselben müßten eigentlich mit Hilfe lokaler Ursachen begründet werden. Ein „globales Klima“ existiert eigentlich nicht. Es ist mehr eine Hilfskonstruktion, es ist schlicht eine weitere zeitliche und räumliche Mittelung der verschiedenen lokalen Klimata. Änderungen in dieser Hilfsgröße sind daher wesentlich die Folge von den vielen kleinskaligen Änderungen auf lokaler Ebene, seien es Änderungen in der Bodennutzung, der Bebauung, der Vegetation und ähnliches. In diesem Ansatz ist natürlich das „Globalklima“ völlig unvorhersagbar und deterministisch chaotischen Schwankungen unterworfen, es entzieht sich jedem globalen Erklärungsmodell. Ähnlich wie die Durchschnittswerte aller an einem bestimmten Wochenende gezogenen Lotteriezahlen irgendwo auf diesem Planeten chaotisch innerhalb gewisser Grenzen schwanken und keine Rückschlüsse mehr auf eine einzelne Ziehung zulassen, so schwanken als Beispiel auch die globalen Mitteltemperaturen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat völlig willkürlich und lassen keinen Rückschluß mehr zu, was an einem bestimmten Ort genau passiert und warum.

Es ist genau dieses Verhalten, das die Temperaturkurven bei entsprechender zeitlicher Auflösung zeigen, wild springende Meßpunkte.

Über das IPCC als Kommission der natürlich an globalen Effekten interessierten UNO wurde aber das „Globalklima“ als eigentlich entscheidendes Konzept verankert. Änderungen des Globalklimas sind in diesem Weltbild auch Änderungen globaler Einflüsse wie der Zusammensetzung der Atmosphäre oder der Sonneneinstrahlung. Auch das ist natürlich ein vernünftiger Ansatz, denn selbstverständlich ist das Klima auch lokal abhängig von diesen Einflußgrößen. Ähnlich, wie man die Bandbreite der möglichen Lotteriezahlen begrenzen kann (in dem man eben nur Werte zwischen 1 und 49 zuläßt), so definieren diese globalen Einflußgrößen letztlich auch die Bandbreite der möglichen Temperaturschwankungen. Innerhalb dieser Bandbreite aber nutzen sowohl die Lottozahlen, wie auch die globalen Mitteltemperaturen, alle Möglichkeiten aus.

Der neue Ansatz wird dadurch unvernünftig, daß man die Änderungen globaler Einflußgrößen als entscheidend selbst für die Schwankungen auf kleinen Zeitskalen ansieht, als entscheidend selbst für die Änderungen auf lokaler Ebene. Das „Globalklima“ wird so nicht mehr die Summe vieler lokaler Klimata, sondern die Ursache für dieselben. Aus Änderungen im „Globalklima“ glaubt man so, auf Änderungen in den lokalen Klimata rückschließen zu dürfen. Es ist, wie wenn man sagen würde: „Durch die Änderung des Ziehungsverfahrens von „6 aus 49″ auf „5 aus 48″ werden in Zukunft häufiger Lottozahlen zwischen 1 und 9 als zwischen 10 und 19 gezogen“. Es wird Ursache und Wirkung miteinander vertauscht.

So kann man das Globalklima am Ende für alles heranziehen und damit einen Flußpegel in Deutschland, einen Gletscher in den Anden, einen Wirbelsturm im Südpazifik und eine eisbärenbesetzte Eisscholle im Nordpolarmeer miteinander in Verbindung bringen und alles gleichermaßen berücksichtigen. Das gefällt der UNO und macht sie einflußreicher.

Wenn man möchte, daß es so scheint, als hätte der Mensch einen wesentlichen Einfluß auf das Klima, dann allerdings muß man in diesem Modell einen bestimmten Effekt finden, der von allen Menschen auf diesem Planeten gleichermaßen ausgeht. Gleich, ob schwarz, weiß oder braun, gleich ob Wüstennomade oder Steuerberater, gleich ob am Nordpol, am Südpol oder im Dschungel umherschleichend: Sie alle nutzen das Feuer. Alle Menschen auf diesem Planeten zeichnen sich durch diese eine Gemeinsamkeit aus: Sie verbrennen Rohstoffe, die wesentlich auf Kohlenstoff basieren, ob nun Holz, Torf, Kohle, Öl oder Gas. Und sie produzieren damit alle dasselbe Abfallprodukt: CO2.

Wenn man möchte, daß es so scheint, als hätte der Mensch einen wesentlichen Einfluß auf das Klima, dann muß man also das CO2 zentral dafür verantwortlich machen, daß die Temperaturen auf diesem Planeten sich sowohl lokal als auch global ändern. Wenn man den für das Konzept überlebenswichtigen emotionellen Mechanismus von Schreckensszenario und Heilsversprechen etablieren will, dann muß man den Temperaturänderungen apokalyptische Wirkung auf die Natur zuweisen. Dann muß man darum bemüht sein, eine globale Temperaturerhöhung als Ursache für eine lokale Gefährdung von Ökosystemen zu etablieren.

Dieser Mechanismus zeichnet die gegenwärtige Debatte um den Klimawandel aus und mit dem Aktionismus, der sich daraus ergibt, werden alle Naturschutzbemühungen konterkariert.

Es ist schon interessant, wie auf diese Weise CO2 in unser aller Bewußtsein als Gift, Dreck und Abfall verankert werden kann. So wie Pille und Kondom durch viele christliche Kirchen als Mordinstrumente gebrandmarkt werden können. In Wahrheit sind Pille und Kondom Hilfsmittel, die uns allen Freiheit verschaffen. In Wahrheit ist CO2 der Stoff auf diesem Planeten, der uns alle am Leben erhält.

CO2 ist ein farbloses, geruchloses und für Mensch und Tier völlig ungiftiges Spurengas. Subjektiv gesehen kann uns seine Konzentration (solange ausreichend Sauerstoff in der Atemluft vorhanden ist) erst einmal völlig egal sein. Aber CO2 ist die grundlegende Nahrung für alle grünen Pflanzen auf dieser Erde, für alle Lebewesen also, die Photosynthese betreiben. Und von diesem pflanzlichen Leben hängt letztlich alles ab: Nahrung und Atemluft für uns. CO2 ist kein Müll, sondern das Molekül des Lebens. Es liegt kein Naturschutzgedanke darin, CO2 als Gift zu betrachten.

Nehmen wir nun ein natürlich entstandenes Feuchtgebiet, meinethalben einen Teich, mit Amphibien, Insekten, Vögeln, Fischen, diversen Pflanzen ober und unter Wasser. Diesem kleinen Ökosystem ist es zunächst völlig gleich, ob in China ein Sack Reis umfällt oder ein neues Kohlekraftwerk gebaut wird. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist für das Überleben dieses kleinen Stückes Natur völlig unerheblich (solange ausreichend CO2 und ausreichend Sauerstoff vorhanden sind). Die Temperaturschwankungen sind, solange sie sich in dem Rahmen abspielen, in dem sie zwischen Morgens und mittags, zwischen Tag und Nacht, zwischen Sommer und Winter ohnehin schwanken, für dieses System in keiner Weise bedrohlich. In der Realität wird das Maß, in dem die Temperaturen an diesem Teich schwanken, ohnehin nicht durch das Kohlekraftwerk in China bestimmt, sondern durch die Fragen wie: Gibt es einen Wald in der Nähe oder einen Acker? Ist dort eine Straße, eine Brücke, ein Berg? Wie weit ist die nächste Siedlung, das nächste Haus entfernt? Und so weiter.

Naturschutz bedeutet, sich exakt diese Fragen zu stellen. Sich zu überlegen, was mit dem Teich passiert, falls in der Nähe eine Straße oder ein Haus gebaut werden, falls in der Nähe ein Wald gepflanzt oder gerodet wird, falls in der Nähe von Weidewirtschaft auf Ackerbau umgestellt oder gar eine Ackerfläche stillgelegt wird. Naturschutz bedeutet, sich darüber Gedanken zu machen, was passiert, wenn die Zahl an Rehen oder Wildschweinen, oder auch Kaninchen, Hasen und Wühlmäusen in der Nähe abnimmt oder zunimmt und was passiert, wenn diese dann in der Nähe des Teiches nach Nahrung suchen, dort trinken oder auch dieses in Zukunft unterlassen. Naturschutz bedeutet sich zu fragen, ob es Sinn macht, diesen Teich an genau der Stelle zu erhalten oder nicht, ob es Sinn macht, diesen Teich gegen Veränderungen zu schützen oder ob man vielleicht spezielle Fische aussetzt, spezielle Pflanzen ansiedelt. Alles sehr komplex, alles in jedem Einzelfall aber individuell und auf die lokale Situation zu beziehen und ständig neu zu überdenken.

Hier sieht man die Differenz zwischen Klimaschutz und Naturschutz:

  • Naturschutz steht für den Erhalt und ggf. auch die Neuschaffung natürlicher Lebensräume für Pflanze und Tier (und natürlich auch dafür, diese dem Menschen zugänglich zu machen, und sei es nur als Besucher und Beobachter).
  • Klimaschutz steht für den Schutz globaler zeitlicher und räumlicher Temperaturmittelwerte vor Veränderung und die Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Ergo: Naturschutz ist eine lokale Strategie, Klimaschutz eine globale. Und beide Strategien haben völlig verschiedene inhaltliche Ausrichtungen.

Und daß damit der Klimaschutz zu Maßnahmen führt, die dem Naturschutz entgegenstehen, die bei konsequenter Durchführung Ökosysteme massiv gefährden, ist eine zwingende Folge dieser unterschiedlichen Ansätze…

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