Absurder Widerspruch: Klimaschutz contra Effizienzsteigerung

Angeregt durch den Energiegipfel bei der Bundeskanzlerin und die aktuelle Debatte, die im Vorfeld und im Anschluß raumgreifend in den Medien stattfindet, scheint es mir von Bedeutung, einmal auf die dynamischen Aspekte des arg strapazierten Begriffes „Effizienz“ hinzuweisen.

Die Anhänger Moderner Mythen zeichnen sich gemeinhin durch eine extreme Form des statischen Denkens aus. Zustände werden aus sich selbst heraus erläutert, als scheinbar unveränderlich und in einem prinzipiellen Gleichgewicht befindlich, sämtliche Prozesse, die einen Zustand überhaupt erst ermöglicht haben, werden ausgeblendet.

So wissen auch die Alarmisten, daß sich das Klima hat irgendwie entwickelt hat. Aber was auch immer in den vergangenen Jahrmillionen diese Entwicklung beeinflußt haben könnte, wurde in der Philosophie des Mythos pünktlich mit der industriellen Revolution abgeschaltet. Das Klima wird damit als statischer Zustand empfunden, dessen Stabilität zwangsläufig durch eine Art „natürliches Gleichgewicht der Kräfte“ gesichert wird. Dieses Gleichgewicht ist dann wieder die Grundlage vieler naturwissenschaftlicher Beschreibungsversuche (thermodynamisches Gleichgewicht, Strahlungsgleichgewicht). Die gängige Klimaforschung leugnet damit in weiten Teilen die Fortschritte, die die Physik in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt haben. Moderne Physik ist nicht mehr eine Physik der Zustände, sondern eine der Prozesse. Moderne Physik sieht Wandlungen nicht mehr als einen äußeren Faktor, der Systemen aufgezwungen wird, sondern als Eigenschaften der Systeme selbst. Das „Klima“ ist damit schon prinzipiell kein Zustand mehr, der durch einen abgekoppelten Prozeß, den „Klimawandel“ verändert wird. Das „Klima“ ist vielmehr aus sich selbst heraus schon ein dynamischer Prozeß. Dieser von der Öffentlichkeit fast unbemerkte Paradigmenwechsel in der Physik, der in Konzepten wie der Chaostheorie und der Synergetik (Selbstorganisation) seinen Ausdruck findet, hat in den letzten Jahren auch viele andere Wissenschaften, etwa die Ökonomie und die Innovationsforschung, beeinflußt.

Wenn man sich also einen anderen ökonomisch/technologischen Zustand, etwa eine andere Form der Stromerzeugung, ausmalt, so ist nicht dieser Zustand mit dem Ist-Zustand zu vergleichen. Man muß stattdessen die Prozesse, die den neuen Zustand erzeugen, mit den aktuell wirksamen vergleichen. Man muß vor allem berücksichtigen, daß letztere nicht einfach abgeschaltet und ausgeblendet werden können.

 

Ökonomische und technologische Dynamik aber werden in Modernen Mythen nicht berücksichtigt. Ein „Verbot von Killerspielen“ etwa wird als sinnvoll erachtet, ohne zu berücksichtigen, daß ein solches Verbot auf Basis der den Menschen zur Verfügung stehenden Technik nicht mehr durchzusetzen oder auch nur kontrolliert werden könnte. Gesundheitsmythen berücksichtigen nicht die medizinische Entwicklung, sowohl auf der Seite dessen, was wir wissen, als auch auf der Seite dessen, was wir können. Als ein weiteres Beispiel ist die Diskussion über Kernenergie dadurch geprägt, daß man zwar den Alternativen ein hohes Entwicklungspotential zuweist, die Kernenergie aber als im Jahr 1970 stehengebliebene Entwicklung betrachtet. Verglichen wird oft eine mögliche dezentrale, solare Stromversorgung des Jahres 20xx mit einer zentralen, auf Kernkraftwerken aus dem Jahr 1970 basierenden.

Was in Wahrheit berücksichtigen muß, sind Potentiale und Prozesse. Welche Dynamiken haben dazu geführt, daß wir eine Stromversorgung (bspw. ein entsprechend gestaltetes Versorgungsnetz) wie die gegenwärtige haben und wie werden diese die Stromversorgung der Zukunft, auch unter Berücksichtigung neuer Dynamiken beeinflussen? Die Kosten, welche etwa ein flächendeckender Umbau des Stromnetzes erfordern und die Wertschöpfung, die mit dem Abbau des alten vernichtet würde, sind beispielsweise in der Wahrnehmung der Ökologisten schlicht nicht vorhanden. Wie hoch ist das Entwicklungspotential der Kernenergie, wie hoch ist das der Windkraft? Solche Fragen stellt sich ein Ökologist nicht, denn die Antwort wäre unbequem: Während die Technologie der Windkraft nur noch kleinste Fortschritte zuläßt, ist Kernenergie schon in den letzten Jahren spektakulären technischen Innovationen unterworfen und auch der Phantasie der Ingenieure in der Zukunft sind keine erkennbaren Grenzen gesetzt.

Auf dieser Basis kann man leicht verstehen, wieso Ökologisten Konzepte des „Sparens“ mit solchen der „Effizienz“ gleichsetzen.

„Sparen“ bezeichnet eine Philosophie des Verzichts, der Einschränkung, der Kontrolle und der Unfreiheit. Denn „Sparen“ bedeutet immer eine Einschränkung der Möglichkeiten und Chancen. Nicht nur der heutigen. In dem wir verzichten, sinkt unser Problemlösungspotential und wir hinterlassen unseren Nachfahren eine Basis, auf der noch weniger Chancen und Möglichkeiten bestehen.

Das ist natürlich im Sinne einer Philosophie, die den Menschen nicht als Teil dynamischer, umfassender Veränderungsprozesse begreift, sondern als Störenfried gegenüber statischen Gleichgewichten.

„Effizienzsteigerung“ hingegen ist nicht etwa ein anderes Wort für „Sparen“, „Effizienzsteigerung“ bedeutet Wachstum zu immer geringeren Kosten. Effizienzsteigerung ist in Wahrheit der zentrale Innovationstreiber der Menschheit seit der Steinzeit, Effizienzsteigerung bedeutet eine Ausweitung der Möglichkeiten.

Sie sitzen, wenn Sie das hier lesen, vor einem PC. Vor einem Paradigma technischer Effizienz. Sie sitzen vor einem PC, der nur einige hundert Euro gekostet hat und trotzdem eine Rechenkraft bietet, die vor dreißig Jahren undenkbar und vor zwanzig Jahren zumindest unbezahlbar gewesen wäre. Die Rechenkraft Ihres PC’s, die die eines Großrechners aus den 1970er Jahren um ein vielfaches übersteigt, benötigt nur einen Bruchteil der Energie, mit der man den alten Großrechner versorgen mußte. Und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Herstellung bis zum Betrieb. Das ist Effizienzsteigerung. Daß die Technik der Datenverarbeitung heute Ihnen und vielen anderen Menschen zur Verfügung steht, daß Sie sich Ihren Rechner überhaupt leisten können, das ist Wachstum. Und selbstverständlich verbrauchen alle diese vielen Millionen Computer heute sehr viel mehr Energie, als die wenigen Großrechner vor 30 Jahren. Und die Aussicht auf Wachstum in dieser Form hat überhaupt erst die Industrie dazu bewegt, die Technologie effizienter zu gestalten.

Ein Flugzeug heute verbraucht pro Passagier und Kilometer nur noch ein Drittel bis ein Fünftel des Treibstoffes, wie es bei einem Flugzeug vor 20 Jahren der Fall war. Diese Effizienzsteigerung sorgt dafür, daß die Flugpreise radikal gefallen sind, so daß heute sehr viel mehr Leute fliegen können (und das dann auch tun), als früher. Dieses Wachstum führt dazu, daß heute ein Bedarf an sehr viel mehr effizienten Flugzeugen besteht, die insgesamt mehr Treibstoff verbrauchen, als die wenigen ineffizienten Maschinen von vor zwanzig Jahren.

In seiner Summe übersteigt das Wachstum immer die Einsparung durch höhere Effizienz. Zumindest bei erfolgreichen Innovationen. Innovationen, die dies nicht ermöglichen, werden am Markt nicht bestehen können. Und dies ist überhaupt die Grundlage wirtschaftlichen Wachstum durch technische Innovation. Nur dann, wenn eine Effizienzsteigerung gleichzeitig eine höhere Nutzung, eine höhere Marktdurchdringung ermöglicht, werden Investitionen in diese Effizienzsteigerung erfolgen. Und nur dann, wenn die zunehmende Nutzung der Technologie für alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Partner Gewinne erbringt, die die Investitionen übersteigen, ist sie erfolgreich und wird dauerhaft etabliert.

Dieser Prozeß kommt niemals zu einem Halt. Höhere Effizienz und zunehmende Wirkung eines technischen Systems induzieren sich gegenseitig zu einem am Ende exponentiellen Wachstum.

Viele Ökologisten haben eine begrenzte Weltsicht, die diesen Prozeß nicht registriert. Und so überlegt man sich, wie es denn wäre, wenn alle die Autos, die heute auf den Straßen herumfahren, in einigen Jahren viel weniger Kraftstoff verbrauchen würden. Man reduziert das Problem quasi auf einen gleichzeitigen Werkstattbesuch aller Automobile und den dort erfolgenden Ersatz des Antriebes durch einen effizienteren. Und das Resultat ist für einen engagierten Klimaschützer natürlich überzeugend: Viel, viel weniger CO2 wird emittiert.

Das klappt nur in einer Phantasiewelt. Der heutige Zustand unserer Autos ist Folge einer dynamischen technischen Entwicklung hin zu mehr Effizienz in allen Phasen der Wertschöpfungskette. Heute wiegt ein Fahrzeug aufgrund einer Vielzahl von neuen Komponenten in seinem Inneren vielleicht das Doppelte dessen, was ein Fahrzeug noch vor 30 Jahren auf die Waage gebracht hätte. Trotz dieses Massenzuwachses aber verbraucht es nur noch etwa 60-70% des Benzins seines Urahnen. Dies ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung, sie allerdings war zwingend erforderlich für das Wachstum der Automobilwirtschaft und sie ist gleichzeitig Grundbedingung für weitere Effizienzgewinne. Und das völlig ohne Klimawandeldiskussion, völlig ohne moralischen Impetus, völlig ohne mystifizierenden Ökologismus.

Die Folge ist eindeutig zu erkennen: Die Zahl der Automobile auf unseren Straßen hat so stark zugenommen, daß wir heute im Individualverkehr insgesamt ein Vielfaches dessen verbrauchen, wie noch vor 30 Jahren. Sehr viel mehr verbrauchen, als wären heute nur die Autos von vor 30 Jahren mit entsprechend effizienteren Motoren unterwegs. Dieser Prozeß wird anhalten, er darf eben nicht aus der Diskussion ausgeblendet werden.

Wenn man also heute sagt, wir müssen die Energieeffizienz um 3% pro Jahr steigern, wenn man sagt, wir müssen den Benzinverbrauch weiter und stärker reduzieren, um in Zukunft weniger Treibstoff zu verbrauchen, weniger CO2 zu erzeugen, dann ist die Maßnahme zwar vernünftig, die Folgerung aber dämlich. In Zukunft werden sich Familien dann eben statt 1-2 auf einmal 2-3 Autos leisten können und diese auch bewegen. Und die Erzeugung von CO2 wird ständig steigen. Was man in den letzten Jahren auch beobachten konnte.

Technischer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum sind zusammen ein Prozeß (und eben kein Zustand), der deterministisch-chaotisch und selbstorganisiert abläuft. So, wie das Klima übrigens auch.

2 Lesermeinungen

Andy meint:

Was ist die Alternative? Weite so wie bisher? Oder weg vom wirtschaftlichen Wachstum und radikale Umstellung des Lebenswandels? Der Artikel geht leider nicht darauf ein, und der Schlusssatz, bzw. die Schlußfolgerung, ist alles andere als logisch und nicht nachvollziehbar.

Der Fortschritt in der Energieeffizienz muss größer sein als das wirtschaftliche Wachstum und Teil des Wachstums sein. Ohne Wachstum funktioniert unsere Gesellschaft nun mal nicht.

mannomann meint:

lieber andy,
braucht ein artikel einen schlusssatz, einen lösungsweg, eine einzige gültige lösung?
ich sage nein
weg vom dämlichen herdenverhalten!
lasst euch nicht immer alles vorkauen!

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