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CO2 Steuer: schadstoffärmste Autos von Steuer befreit um Innovationen zu fördern


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat für die geplante Reform der Kfz-Steuer jetzt ein eigenes Konzept vorgelegt. Es sieht vor, neue Pkw ganz von der Steuer zu befreien, wenn deren Kohlendioxid-Ausstoß unter 100 Gramm CO2 pro Kilometer liegt. Fahrzeuge, deren Emissionen über 100 Gramm liegen, sollen mit stufenweise erhöhten Steuersätzen belastet werden. Ab Zulassungsdatum 1.1.2008 sollen alle neuen Pkw in das vom 1.1.2009 an geltende CO2-basierte Berechnungssystem einbezogen werden. Für ältere Autos soll es nach dem BUND-Vorschlag keine Änderungen geben. Im Gegensatz zum Konzept der Bundesregierung für eine CO2-bezogene Kfz-Steuer wollen die Umweltschützer, dass die sparsamsten Neufahrzeuge stärker entlastet und weniger sparsame entsprechend dem steigenden Spritverbrauch höher besteuert werden. Die in der EU künftig geltenden Grenzwerte für den Stickoxidausstoß von Pkw sollen ebenfalls einbezogen werden.

"Das längst überfällige Vorhaben der Bundesregierung, die Steuersätze für Autos an die Höhe ihres Schadstoffausstoßes zu knüpfen, darf nicht länger zwischen den widerstreitenden Interessen von Bund und Ländern oder verschiedener Lobbygruppen zerrieben werden", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. "Wir brauchen endlich Nägel mit Köpfen. Eine radikal vereinfachte Kfz-Steuer, deren Höhe vom CO2-Ausstoß und vom Einhalten der künftig geltenden Stickoxidgrenzwerte abhängt, hat eine hohe Lenkungswirkung bei der Anschaffung umweltfreundlicher Fahrzeuge. Ein potentieller Autokäufer bekommt das klare Signal: Wenn schon ein Auto, dann ein möglichst sparsames und in der Unterhaltung preisgünstiges. Das wird nicht nur dem Klimaschutz helfen, sondern es wird auch zu weniger Stickoxid-Emissionen und damit zu weniger Sommersmog führen."

Die vom BUND vorgeschlagene Kfz-Steuer sieht sechs Tarifstufen vor: Bis zu einer CO2-Emission von 100 Gramm pro Kilometer gilt Steuerfreiheit. Zwischen 100 und 120 Gramm pro Kilometer werden Benzin-Pkw mit 50 Cent, Diesel-Pkw mit fünf Euro pro zusätzliches Gramm besteuert. Zwischen 120 und 160 werden bei Benzinern zwei Euro und bei Diesel-Pkw 7,50 Euro pro Zusatzgramm fällig. Zwischen 160 und 180 Gramm kostet jedes zusätzliche Gramm bei Benzinern fünf Euro, bei Diesel-Pkw 12,50 Euro. Zwischen 180 und 200 Gramm werden Benziner mit 7,50 Euro und Dieselfahrzeuge mit 15 Euro pro Zusatzgramm zur Kasse gebeten. In der sechsten Stufe bei einem CO2-Ausstoß über 200 Gramm pro Kilometer kostet ein zusätzliches Gramm bei Benzinern zehn und bei Diesel-Pkw 17,50 Euro. Fahrzeuge, deren CO2-Emissionen zwischen 120 und 160 Gramm liegen, dies betrifft etwa 40 Prozent der heutigen neuen Pkw-Modelle, werden demnach im Durchschnitt nicht höher besteuert als bisher.

Für einen benzingetriebenen VW-Golf 1.4 mit einem CO2-Ausstoß von 166 Gramm pro Kilometer würde die Steuer von derzeit 94 auf 120 Euro steigen. Beim Geländewagen Mercedes-ML-350-Benziner mit einem CO2-Ausstoß von 305 Gramm pro Kilometer würde die Steuer von heute 256 auf dann 1390 Euro angehoben. Beim besonders sparsamen Smart-fortwo-Benzin-Pkw, der pro Kilometer 112 Gramm CO2 ausstößt, würde die Steuer von derzeit 54 auf nur noch sechs Euro sinken. "Es gibt Gewinner und Verlierer sowohl bei Benzinern als auch bei Dieselfahrzeugen", sagte Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte. "Gewinnen werden die sparsamen und sauberen, verlieren die viele Schadstoffe ausstoßenden und Sprit fressenden Autos. Je sauberer ein Auto ist, umso günstiger wird sein Steuertarif, je klima- und gesundheitsschädlicher die Fahrzeugmotorisierung ausfällt, desto höher werden die Steuern. Ein solches Steuersystem wird nicht nur das Kaufverhalten beeinflussen, es wird auch Innovationen für mehr Umweltschutz bei den Pkw-Herstellern hervorrufen."

Damit die Bundesregierung ihre steuerliche Zuständigkeit im Verkehrssektor ausbauen könne, wäre nach Auffassung der Umweltschützer ein Bund-Länder-Tausch der jetzt noch den Ländern zustehenden Kfz-Steuer gegen andere Steuereinnahmen in ähnlicher Höhe vorteilhaft. Zu empfehlen wäre auch eine Angleichung der Mineralölsteuer für Dieselkraftstoff an jene für Benzin. Die damit einhergehende Anhebung des Dieselpreises um rund 20 Cent pro Liter brächte dem Bund Mehreinnahmen in Höhe von rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Damit ließe sich dann bei Dieselfahrzeugen die Senkung der Kfz-Steuer finanzieren, die derzeit höher ist als bei Benzinern.




3 Lesermeinungen

Mitchell meint:

Die Logik ist erstaunlich. Mit den hohen Treibstoffsteuern werden Vielfahrer und Vielverbraucher bereits proportional zum CO2-Austoss belastet.
Der CO2-Austoss eines Smart, der im Jahr 60'000 km fährt ist wesentlich höher als der eines Mercedes der 10'000 km fährt. Wo ist bei diesem Steuerschema der Anreiz, insgesamt weniger CO2 auszustossen?
Übrigens: selbst wenn in ganz Deutschland der Strassenverkehr stillgelegt würde, würde das den weltweiten CO2-Austoss kaum beeinflussen. Allein der jährliche Zuwachs an CO2 in China ist höher als der Gesamtaustoss der Strassenverkehrs in Deutschland.

Reinhard M. meint:

Ich finde den Vorschlag sowohl tendenziell richtig als auch vernünftig dimensioniert.
Vor allem die deutsche "Premium"-Fahrzeugindustrie hätte durchaus Möglichkeiten, premium-level in der Entwicklung zukunftsortientierter Motore (das sind nicht die mit 700 Nm Drehmoment und 350 kW, sondern die mit minimalem Verbrauch) zu zeigen. In kleinen Portiönchen wird's ja von Jahr zu Jahr vorgeführt, die Fahrzeuge werden sparsamer, obwohl sie immer stärker werden. Lasst doch mal das stärkerwerden weg und konzentriert Euch auf die Faszination des möglichst niedrigen co2-Ausstoßes! Wenn man diesen Zahlenwert mit den Instrumenten des modernen Marketings derart hochzieht im öffentlichen Bewußtsein wie das bislang mit Leistungen und Beschleunigungswerten geschieht, wird sich ein Wertewandel einstellen!
Gleichzeitig wünsche ich mir eine permanente und deutliche Steigerung der steuerlastbedingten Kraftstoffkosten, wobei die Regierungen endlich mal hart verpflichtet und kontrolliert werden müssen, daß die erhöhten Steueraufkommen tatsächlich in eine Verbesserung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs geleitet werden. Es wäre nämlich unanständig, einerseits durch weiterhin miserable ÖPNV-Infrastruktur die Familien zu Haltung von zwei Autos quasi zu verpflichten und anderseits das so teuer zu machen, daß es unmöglich wird.
Die Befriedigung von Mobilitätswünschen und -bedürfnissen ist logischer/zwingender Bestandteil moderner Lebensalltagsgestaltung - die Mehrheit der Bürger würde sicherlich einen guten ÖPNV dem wesentlich teureren Individualverkehrsmittel vorziehen.

Gerd meint:

Wer sich genauer über das Thema CO2-Ausstoß informieren würde, z.B. in Scripten der Universitäten, würde schnell herausfinden wie gering der menschliche Einfluss weltweit am CO2-Ausstoß ist.
Laut dem Scipt der TU Kaiserslautern beträgt der menschliche CO2-Ausstoß weltweit gerade einmal 1% des CO2.
Wenn man diesen 1% dann auf Straßenverkehr umrechnet ist die Zahl verblüffend gering. Alles nur Panikmache der Presse.

Dem Leser Mitchell kann ich ausserdem nur gänzlich zustimmen.

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Über diesen Artikel

Dieser Artikel stammt von Christian und wurde am 9.05.08 21:27 veröffentlicht.

Zusammenfassung

News zu CO2 Steuer: Kfz-Steuer auf CO2-Basis mit Übergangsfristen. BUND will zur Anregung von Innovationen schadstoffärmste Autos von Steuer befreien.

Stichwörter

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