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Ökostrom Anbieter Lichtblick unter Beschuss - Zukauf von Strom an der EEX


Der Ökostromanbieter Lichtblick hat eingeräumt, an der European Energy Exchange (EEX) zusätzlichen Strom eingekauft zu haben. Pikant ist diese Vorgehensweise, da an der Strombörse EEX vor allem Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken gehandelt wird. Von einem Anbieter, der von sich selber behauptet, 100% seines Energiemixes aus regenerativen Energien zusammenzustellen, sollte man ein solches Handeln eigentlich nicht erwarten. Nachdem seit einiger Zeit Anschuldigungen gegenüber Lichtblick bzgl. eines solchen Vorgehens seitens des Unternehmens abgestritten wurden, hat man sich bei Lichtblick nun entschlossen, doch reinen Tisch zu machen.

Gegenüber der [Financial Times Deutschland] räumte Lichtblick nun ein, Strom am EEX-Spotmarkt einzukaufen. Dies sei nötig, da es bei der Versorgung "Abweichungen zwischen Kurzfristprognose und zum Teil langfristig im Voraus vertraglich gesicherten regenerativen Strommengen" gebe. Der Zukauf könne aber "nicht in ,grüner' Qualität erfolgen". Das Vorgehen sei "breit akzeptiert".
Quelle: FTD

Die Argumentation, dass dies unter den Profis akzeptiert sei, soll an dieser Stelle gar nicht angegriffen werden. Allerdings dürfte es den Kunden weniger bekannt sein, dass in ihren Ökostrom von Zeit zu Zeit auch etwas "schmutziger" Strom untergemischt wird. Dass dies zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit vonstatten geht, ist zwar nachvollziehbar, stellt aber dennoch keine Grundlage für ein solches Verhalten dar.

Wenn man als ein gewichtiges Verkaufsargument die 100%ige Freiheit des Energiemixes von Strom aus Kohle-/Atomkraftwerken einsetzt, dann ist ein extrem negative Echo in den Medien und der Öffentlichkeit vorprogrammiert, wenn am Ende Gegenteiliges ans Tageslicht kommt. Zwar handelt es sich nicht um einen Imageverlust in der Dimension wie jüngst bei der Telekom, ein dauerhafter Schaden durch das schlechte Reputationsmanagement wird aber dennoch bleiben.




2 Lesermeinungen

Smaragd meint:

Als Lichtblickkundin fühle ich mich extrem betrogen! Genau wegen LichtBlicks Angabe ´vollständig auf Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken zu verzichten´, habe ich mich für diesen Anbieter entschieden! Von Verbraucherschutz kann da ja nicht mehr die Rede sein... Wo bleibt denn da die Glaubwürdigkeit?

Klimaschutz, Öko, Umweltschutz... sind das denn nur leere Phrasen, mit denen versucht wird, den gutgläubigen Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen? Nein!! Für mich sind das keine leeren Phrasen! Ich möchte mein "Klimawandelbewusstsein" und meine "Ökoeinstellung" auch in ein "Ökohandeln" umsetzen können. Und nicht -wie in diesem Fall- feststellen müssen, den Wolf im Schafspelz gekauft zu haben...

Etienne meint:

Ich bin Lichtblick-Kunde und habe vor einigen Tagen ein Schreiben von Lichtblick erhalten. Darin erklären sie, ähnlich wie oben beschrieben, wie es zu dem Zukauf von Nicht-Ökostrom kam. Wenn es nicht hundertprozentig genau gelinge, den Strombedarf der Kunden einzuschätzen, werde entweder überschüssiger Ökostrom ins Netz eingespeist, oder es müsse kurzfristig Strom nachgeordert werden. Dies sei bei der augenblicklichen Anlage des Strommarktes nur an Strombörsen möglich, wo man nicht wählen könne, was für einen Strom man gerne kaufen würde. Für die großen Stromkonzerne gäbe es auch gar keinen Grund, das zu ändern - könne man so doch lästige Konkurrenz leicht im Misskredit bringen.

Um künftig wirklich 100-prozentigen Ökostrom garanieren zu können, werde Lichtblick, so das Fazit des Briefes, von jetzt an grundsätzlich mehr Ökostrom bestellen, als zur Deckung des Kundenbedarfs nötig sei.

Also, ich finde das "Reputationsmanagement" nicht schlecht.

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Über diesen Artikel

Dieser Artikel stammt von Harald und wurde am 11.06.08 9:33 veröffentlicht.

Zusammenfassung

Lichtblick gibt zu, dem vorgeblich 100%igen Energiemix aus regenerativen Energien 'schmutzigen Strom' durch Zukauf von Kohle-/Atomstrom beigemischt zu haben

Stichwörter

Lichtblick Stromanbieter, Ökostrom Lichtblick, Lichtblick EEX, Lichtblick Skandal, Ökostromanbieter, Energiemix,

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